Geschichte

Der nachfolgende Bericht soll dem Leser die Entstehungsgeschichte der Schiedsrichtergruppe Wangen etwas näher verdeutlichen. Er soll vor allem der Jugend aufzeigen, mit welchen Schwierigkeiten die Schiedsrichterkameraden in den Gründungsjahren zu kämpfen hatten, welch großer Idealismus aufgebracht werden musste, um hier den Grundstein dafür zu legen, was die Wangener Schiedsrichtergruppe heute auszeichnet:

Anerkennung und Achtung.

 

Fußball-Schiedsrichter sein ist nicht leicht. Es genügt nicht, dass man die unpopulären Fußballregeln aus dem Gedächtnis vorsagen kann (was natürlich Voraussetzung ist), sondern man muss mit dem Herzen dabei sein. Nur so kann man sich mit dem Spiel identifizieren, zur Persönlichkeit auf dem Spielfeld sich entwickeln und somit von allen Beteiligten (Spielern, Vereinen, Zuschauer) anerkannt werden. Man braucht Mut zu unpopulären Entscheidungen und Sinn für Gerechtigkeit. Diese Eigenschaften kommen aus dem Herzen. Alles übrige ist „handwerkliches“ Geschick und daher erlernbar.

 

Auch im Bereich der Stadt Wangen gab es in den Anfangsjahren des Fußballs Männer, die sich als Schiedsrichter zur Verfügung stellten.

 

Im Jahre 1971, anlässlich des 25jährigen Jubiläums der Kreisschiedsrichtervereinigung Wangen im Allgäu, schrieb unser Schiedsrichterkamerad und spätere Bezirksvorsitzende Hans Lang aus Kressbronn:

 

Beim Silberjubiläum der Kreisschiedsrichtervereinigung wollen wir noch einmal den Anfängen unserer Vereinigung und die Entwicklung bis heute verfolgen. Es muss hier vorweg klargestellt werden, dass auch im Kreis Wangen schon früher Fußball gespielt wurde.

Auch in der früheren Zeit wurden die Spiele von geprüften Schiedsrichtern geleitet. Es bestanden damals nur sehr wenige Vereine, folglich gab es auch nur wenige Spiele. Das Schiedsrichterwesen bestand damals nur auf Bezirksebene. Erst die Nachkriegzeit mit all ihrem persönlichen Kummer und Leid, mit der großen Sorge um das tägliche Brot ließ manches wieder ganz unten anstehen, so auch im Sport. Einer nach dem anderen kehrte wieder aus der Gefangenschaft nach Hause zurück.

 

Trotz der bedrückenden, schaurigen Erinnerungen hatte man bald das Bedürfnis nach einer gemeinsamen Betätigung. Wo wäre das besser gegangen als auf dem Sportplatz?

 

Die französische Besatzungsmacht hatte gegen den Fußball auch nichts einzuwenden und gab den sich bildenden Mannschaften gerne die Genehmigung. Nur im Turnen sah man militärisches Üben, weshalb die Turnabteilungen vorerst verboten blieben. Mit dem Beginn des Spielbetriebs bei älteren Clubs und der raschen Neugründung anderer wurde der Ruf nach geprüften Unparteiischen immer lauter. Ein Fußballspiel braucht beides, Spieler und Schiedsrichter. Das beantwortete die immer wieder von der einen oder anderen Seite gestellte Frage, wer denn nun der wichtigere Teil sei.

 

In dieser Zeit sportlicher Unterordnung war es der schon vor dem Krieg bekannte Schiedsrichter Karl Biedenkapp, der die Pfeifenmänner zusammenrief. Am 19.Oktober 1946 versammelten sich die Schiedsrichter des Bezirks in Weingarten. Nach der ersten Bestandsaufnahme gründete Biedenkapp hernach auch die Kreisschiedsrichtervereinigung Wangen. Ihr wurde von Anfang an der obere Teil des Kreises Lindau, das Gebiet um Lindenberg / Weiler zugeordnet. Der südliche Teil des Kreises Lindau war mit den Schiedsrichtern Friedrichshafen vereinigt. Der rasch zunehmende Spielbetrieb verlangte eine größere Zahl von Schiedsrichtern.

 

Am 04.April 1947, es war Karfreitag, war unter Biedenkapp der erste Bezirksschiedsrichterkurs in Bad Wurzach. Nach diesem Auffrischungskurs und einem bald folgenden Neulingskurs standen dem Obmann folgende Männer zur Verfügung: Sauter und Bächtle, Wangen; Schmidt, Isny; Spang und Geiger, Aitrach; Baldauf, Weiler; Hecht und Jaag, Kisslegg und Dieterle, Amtzell. In dem schon bald folgenden zweiten Kurs legte u.a. der Kamerad Daniel Heil aus Wangen die Prüfung ab.

 

Gehört auch heut ein gerüttelt Maß an Sportbegeisterung und Idealismus dazu, um das undankbare Amt des Schiedsrichters auszuüben, so muss man doch voll tiefer Annerkennung die Opferbereitschaft dieser Schiedsrichtergeneration anerkennen. Während die Mannschaften damals auf qualmenden Holzvergaser-LKW´s anreisten, blieb dem Schiedsrichter nur die spärlich verkehrende Bundesbahn in Verbindung mit dem Fahrrad. Sonntag für Sonntag waren sie unterwegs und trotzten jedem Wetter. Die sanitären Einrichtungen der Clubs steckten noch in den Anfängen. Ein Kaltwasserstrahl hinter dem Vereinslokal musste der ganzen Gastmannschaft und dem Schiedsrichter reichen. Sicherlich mussten unsere Kameraden manches Mal, um drohendem Ungewitter aus dem Wege zu gehen, auf das Waschen verzichten. Fürwahr, empfindlich durfte man damals nicht sein!

 

Das sei auch am Beispiel eines Spielauftrages Biedenkapps dargestellt. Er war zur Leitung eines Zonenligaspieles in Freiburg eingeteilt. Dazu musste er mit der Bahn am Samstag anreisen. Auf der Rückfahrt kam er am Sonntagabend nur noch bis Friedrichshafen. Dort musste er die Nacht am eiskalten Bahnhof verbringen. Ankunft in Kißlegg am Montag in der Frühe um sieben Uhr. Für sein leibliches Wohl hatte er eine 50g - Fleischmarke dabei. Trotz alledem blieben sie bei der Sache und ließen den Kopf nicht hängen. Dafür sorgte besonders Karl Biedenkapp mit seinem Mannheimer Humor. Sein Vorbild spornte die anderen Kameraden immer wieder an. In seiner 31jährigen Schiedsrichtertätigkeit hatte er keinen Spielabbruch. Ganz besonders streng ging er mit denen um, die mit Mätzchen die Gunst des Schiedsrichters erobern wollten. Elfmeterschinder, heute oft als Strafraumleichen charakterisiert, mussten bei Biedenkapp mit dem Ausschluss rechnen. Er pfiff zuletzt in der zweithöchsten Spielklasse, der damaligen II. Liga Süd. Die Schiedsrichter unseres Kreises pflegten schon bald einen regen Austausch mit den Kreisen Memmingen, Kempten und Sonthofen. Dieser Austausch wurde im Spieljahr 1954/55 zeitweilig noch ausgedehnt auf Vorarlberg und Tirol. Die österreichischen Schiedsrichter waren in Streik getreten. Da mussten auf Bitte des österreichischen Fußballverbandes die deutschen Schiedsrichter einspringen. Dabei kamen auch Kameraden unseres Kreises zu Spielaufträgen ins Ausland.

 

Im Jahr 1959 legte Karl Biedenkapp zum Erstaunen aller Schiedsrichter und Sportanhänger alle seine sportlichen Ämter nieder. Die bange Frage des Fortbestandes und der Weiterentwicklung wurde aber durch den Nachfolger rasch beantwortet. Daniel Heil, als Biedenkapps Schüler bereits seit 1952 Schiedsrichter bis in die I. Amateurliga, übernahm die Schiedsrichtervereinigung Wangen. Heil rückte bald auch als Lehrwart im Bezirk nach. Noch mehr Vereine waren in den Jahren gegründet worden. Zur Leitung der vielen Spiele mangelte es an Schiedsrichtern. Teilweise konnten die Vorspiele nicht mit Schiedsrichtern bestickt werden, ganz abgesehen von den Jugendspielen. Dabei ist gerade bei Jugendspielen von entscheidender Bedeutung für die Heranwachsenden, dass ihre Spiele korrekt geleitet werden. Sie sollen erkennen, dass dieser schöne Kampfsport nach klaren Regeln gespielt werden muss und von daher auch seinen Reiz erhält. Daniel Heil führte Neulingslehrgänge in großer Zahl durch. Waren es bei der Übernahme des Amtes als Obmann 21 aktive Schiedsrichter, so stieg diese Zahl von Jahr zu Jahr höher. Es war sein Verdienst, dass die Kreisvereinigung Wangen sich zur stärksten im Bezirk entwickelte. Zeitweise umfasste unser Kreis bis zu 90 Schiedsrichter. Die Schulungsabende waren meist in Wangen, einmal im Jahr trafen wir uns in Kisslegg. Dort wurde auch viele Jahr die jährliche Leistungsprüfung abgehalten. Seit dem Ausbau des Stadions in Lindenberg wurde diese Prüfung aber dort durchgeführt. Heils Talent als Lehrwart wurde auch vom Verband erkannt. Man holte ihn zu Schulungen an die Pädagogische Hochschule in Weingarten und an die Sportschule in Tailfingen, Haus und Nellingen - Ruit. Er pfiff über 1000 Spiele im In-und Ausland. Seine Schiedsrichterlaufbahn erfuhr die Krönung, als er 1967 als Bester der württembergischen Amateurligaschiedsrichter in die Regionalliga aufstieg. Mitten in seinem ehrgeizigen Wirken als Schiedsrichter erkrankte er stark und musste die aktive Laufbahn aufgeben. Als Obmann, so hofften seine Schiedsrichter, werde er der Kreisvereinigung noch lange erhalten bleiben. Auch der Bezirk und der Verband wünschten ihm noch viele Jahre als Lehrwart. Der Kreisschiedsrichtervereinigung war es bisher stets zum Nutzen, dass seine Obmänner Spitzenschiedsrichter waren. Sie spornten die Nachfolgenden an, es ihnen gleichzutun. Aus unserem Kreis waren in der Amateurliga: Martin Nerb, Kisslegg; H. Brauchle, Lindenberg, Karl Lehmann, Wohmbrechts. Wir sind zuversichtlich, dass in den kommenden Jahren noch weitere Kameraden den Weg nach oben machen können.

 

Wenn auch der unsachliche, fanatische Zuschauer allzu oft den Mann im schwarzen Trikot zum schwarzen Schaf stempeln möchte, so wünschen wir nur, dass die Kreisschiedsrichtervereinigung immer genug mutige Männer habe, die die geistige und körperliche Fitness mitbringen, um jede Aufgabe meistern zu können. Ihr Aktiven, nehmt am Idealismus und an der Opferbereitschaft eurer Kameraden aus der Gründungszeit ein Beispiel! Gebt dieses Beispiel auch allen denen, die sich in Zukunft mit dem Gedanken tragen, selbst Schiedsrichter zu werden. Alles zum Wohle unseres schönen Fußballsportes und zur Freude und Erbauung vieler Menschen!

Im Jahre 1979 übernahm Hans - Joachim Maier die intakte Schiedsrichtergruppe von Daniel Heil. „Jochen“ wurde 1976 von seinem Vorgänger zum Schiedsrichter ausgebildet.

 

Er gehört seit vielen Jahren zu den großen Idealisten im Fußballsport. Neben seiner Tätigkeit als Jugendleiter und Jugendtrainer bei seinem Heimatverein FC Wangen galt aber sein besonderes Interesse der Schiedsrichterei.

 

Bereits 1979 hatte man erkannt, dass er ein geradliniger Mann ist, der sich voll und ganz für seine Ziele einsetzt. So war es nahe liegend, dass der damals 30jährige, als Nachfolger von Daniel Heil, der 1979 aus gesundheitlichen Gründen sein Amt abgab, zum nächsten Schiedsrichterobmann der Gruppe Wangen gewählt wurde.

 

Im Jahr 1993 trat Hans - Joachim Maier als Nachfolger von Josef Weber das Amt des Bezirksschiedsrichterobmannes an und hatte somit Mitverantwortung für die Nachbargruppen Friedrichshafen und Ravensburg.

 

Dank seiner Einsatzkraft und dem Mut, stets Neues zu wagen, konnte er immer wieder Fußballanhänger für das Schiedsrichterwesen gewinnen und so die Schiedsrichtergruppe Wangen zu großen Erfolgen auf diesem Gebiet führen. Er übernahm 1979 die Schiedsrichtergruppe mit 90 Kameraden und baute sie während seiner 22jährigen Amtszeit auf 180 Kameraden auf. Auch wenn man sich im Sport zunehmend an schwindenden Idealismus befindet, so ging diese Epoche stets spurlos an ihm vorbei. Im November 1995 wurde er vom wfv für seine einzigartigen Verdienste mit der höchsten Auszeichnung des Verbandes, der SR - Ehrennadel in Gold ausgezeichnet.

 

Gut geplant und organisiert hatte Jochen seinen Nachfolger bereits 1993 in seinen Ausschuss berufen und nach 10 Jahren gezielter Ausbildung im Jahr 2003 als vierten Obmann den Schiedsrichtern seiner Gruppe als Nachfolger vorgeschlagen